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Graziella Berger

Graziella Berger

Atelier: Güterstrasse 6
076 429 90 14

graziellaberger@bluewin.ch


Sparten

Zeichnung,  Fotografie,  Installation,  Kunst im öffentlichen Raum


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RAUMSTRUKTUR / SKIZZEN
Auswerfen der Netze – da, wo die Blätter sich färben

Ausstellung Projektraum APROPOS Luzern
Installationsansicht
2017

SKIZZEN
Fotografie, Zeichnung
mehrteilig, 210X297cm
RAUMSTRUKTUR
148,5x210/170cm

Nach Time Composition #I (Fotografie und Zeichnung), die an der Jahresausstellung im Kunstmuseum Luzern 2014/15 gezeigt wurde, und der Ausstellung von „Zeichnungen mit Skulptur“ in der Galerie Tuttiart 2016 in Luzern, präsentiere ich im Apropos Projektraum eine Installation, mit dem Titel: „Auswerfen der Netze – da, wo die Blätter sich färben“, in der sich eine assoziative Arbeitsweise mit literarischen Komponenten und Bildern vernetzt sowie interferiert. Mit Zeichnungen, Fotografien und Objekten entstehen räumliche Skizzen, eine Versuchsanordnung, die sich – auch – um Erfahrung und Reflexion von Räumen und Zeiten dreht.

TAGs: abstrakte Muster, Assoziationsmontage, die Flüchtigkeit des Augenblicks, Digitaldruck, digitale Bearbeitung, Diversität, Drehung, Druckgrafik, Durchgang, entwickeln, Experiment, experimentell, Faltungen, Fotografie, Fragmente, Gedichte von Paul Celan, Hermeneutik des Eselsohr, Hülle, Innenleben, Innen und Aussen, Installation, Interaktion, Legende des Tangrams, MDF, mehrschichtig, mehrteilig, Metapher, Netze, Ornament, Paraffin, Raster, Raum, Raumbezogene Skulptur, Sammeln, Schichten, Spiel mit der Wahrnehmung, Täuschung, verdichtete Zeit, verschiedene Papiere, wagenartige Oberflächentexturen, Wahrnehmung, Zeichnung, zitronengelbgelb, Zwischenraum

SKIZZEN
Auswerfen der Netze – da, wo die Blätter sich färben

Ausstellung Projektraum Apropos
Installationsansicht

Fotografie, Zeichnung, Digitalprint
mehrteilig, 210X297cm
OBJEKT / ZEICHNUNG
OBJETS TROUVES
verschiedene Materialien
148.5x28x0,1cm

ZEICHNUNG
Bleistift auf Papier
59,4x42cm/80x60 cm gerahmt
WANDZEICHNUNG / SAMMLUNGSMAPPE
Fotografie
60x80cm/gerahmt

Wandzeichnung
Klebestreifen
345x320cm/Masse variabel
24 H
Edition Pigmentdruck 1/10 und 2/10
60 x 80 cm, gerahmt

gipsen
diverse Materialien
3er Gruppe/ mehrteilig
2016
schichten VHS_42 (Schichtarbeit I)
42-teilig, Drahtgeflecht, Jutte, Gips, Stuhl
im Hintergrund:
schichten VHS _42, #2 (Rekonstruktionsplan)
70-teilig, Tintenstrahldruck, je 29,7 x 21 cm



TAGs: Abbild und Realität, Künstlerbuch, Künstlerin Künstlerbuch, Lager, Lagerung, Reihen, Rekonstruktion, Schichten, vorne/hinten, Zahlen

Lagerung
64-teilig
Gips auf MDF, Baumwollhandschuhe
je 42 x42 cm, Installation Masse variabel
2005

Indizes 1996-2008 / red,yellow and blue
6-teilig, je 30 x 40 cm
Farbstift/Grafit auf Papier
2014/16
Indizes 2005-2013 / concipere
Farbstift/Graphitstift auf Papier
12-teilig, je 30 x 40 cm

TAGs: Abbild, Alltag, Baustelle, concipere, Dazwischen, Erotik, Indices, Kommunikation, Kopf, kritische Kunst, Kulturelle Prägung, Künstlerin Künstlerbuch, Lichtinstallation, Lichtskulptur, Linien, marmoriert, MDF, Metamorphose, Metapher, Oberfläche, Objekte, Objektgruppen, Objektkunst, Odyssee, Paris, Philosophie, Plakat, Plastik, plastische Arbeit, sitzen, sketchbook, Skizze, skizzenhaft, Skkulptur im öffentlichen Raum, Spur, Spuren, Strasse, städtischer Raum, Tagebuch, Text, Textarbeit, Textilien, transit, Zeichenspur, öffentlicher Raum, öffnen

Time Composition # 1
Fotografie, Zeichnung
35-teilig, gerahmt
210x220 cm
Kunstmuseum Luzern / Jahresausstellung
HEIMATEN
Performative Skulptur
Siebdruck, Auflage 500, 42 x 32 x 80 cm
Brandenburgischer Kunstverein, Potsdam

Papiertragtasche für BesucherInnen zum mitnehmen
"What do we do now, now that we are happy?"
Installationsansicht
Parkbank, Buch in Papiertragtasche (Warten auf Godot, S.Beckett)
Modell 1:10, Zeichnung auf Büttenpapier
KKL Uffikon
EDITION
Lithografie Edition
Serie von neun Papiertragtaschen
Auflage 15

Lithografien von Graziella Berger

Als ich im Mai (2005) angefragt wurde, in der druckstelle eine Edition von Lithografien zu realisieren, stellte sich für mich die Frage, wie ich mit einem mittlerweile reinen Künstlerdruckverfahren umgehen will, das wie der Holzschnitt oder die Radierung, im profanen Alltag keine wesentliche Rolle mehr spielt. So entstand früh die Idee, dieses Edeldruckverfahren in irgendeiner Art und Weise mit dem profanen Alltag zu verbinden.

Ich entschied mich anstelle des gebräuchlichen Büttenpapiers für die industriell hergestellte Papiertragtasche, weil sie diesen profanen Alltag verkörpert, sich bedrucken lässt, und auch, weil sie einen skulpturalen Aspekt beinhaltet (für eine Bildhauerin immer wichtig!). Ich stellte mir vor, wie die Leute mit lithografierten Tüten in der Stadt herumlaufen und anzutreffen sind.

Die „Tüte“ ist ein Verpackungs-, ein Transportmittel, in das man aber in den meisten Fällen nicht hineinsieht. Man hat etwas, aber man zeigt nicht, was genau. Der Inhalt bleibt privat, auch wenn man ihn in der Öffentlichkeit mit sich herumträgt. (Meistens steht ein Label darauf, mit dem man sich vielleicht identifizieren möchte, oder es ist einer der gängigen Namen einer Supermarktkette, aber was kann man dort nicht alles kaufen).

Dann die Frage, welche Inhalte ich lithographisch auf die Tüte bringen kann, um sie mit dem „Alltag“ kollidieren zu lassen. Ich griff zunächst auf Interviews zurück, die in einem anderen Zusammenhang (Interkulturelles Projekt: Wechselbank) mit Secondas und Secondos zu Themen wie Person, Identität, Heimat, Wurzeln und Mobilität geführt habe. Der dort geäusserte Satz: „Ich mag es wild“ entwickelte sich zu einem eigentlichen Reiz-Satz, dessen Mehrdeutigkeit einem Lust macht, ihn nach diesem Konzept auf eine Tüte zu drucken. Was dann passierte: Der Satz reagierte inhaltlich mit der „Tüte“.

„Ich mag es wild“, auf eine Einkaufstüte gedruckt, bietet umfangreiche Assoziations- und Projektionsmöglichkeiten. Der Versuch, ähnliche Assoziationsmöglichkeiten mit Bildern zu liefern, führte ins Internet. Verzückte Frauen, Fellatio etc., wobei die Bilder mittels Ausschnitten und grober Rasterung so umgeformt wurden, dass sie nicht mehr eindeutig lesbar sind – was ist wirklich da, was sieht man nur, warum sieht man das, was man sieht?

Man kehrt die „Inhalte“ (ich rede wieder von der Einkaufs-Tüte), die man so mit sich herumträgt, nicht immer gern nach aussen (in unseren Breitengraden sowieso nicht); Und vielleicht besteht die Provokation dieser Tüten u.a. darin, dass sie genau das tun, dass sie nach aussen kehren, was besser im Sack bliebe.

Wie gelingt es Bernini, die „Verzückung“ der heiligen Theresa (1646 Rom, Santa Maria della Vittoria), ausgelöst durch den „goldenen Pfeil eines Engels, der mehrmals in ihr Herz gestossen wird und süsseste Wonnen zu verursachen scheint“ 3), so explizit darzustellen? Man kann sich den Kopf der Theresa gut auf der Museums-Shop-Tüte vorstellen; Während man den genau gleichen Gesichtsausdruck der Darstellerin in „angels of porn“ doch eher ungern nach aussen kehrt.

„Ist das jetzt Heimat?“, eine Frage im Zusammenhang mit Offenheit, auch in der „Öffentlichkeit“, wo ist man offen, was verbirgt man , Offenheit, Öffentlichkeit, Grenze zum Privaten, Intimen; Kunst als Zwischen- und Vermittlungsglied, Heimat, Wurzel (sind Menschen der südlichen Breitengrade wirklich offener?).

Die wuchernde Lithografie-Edition „Ich mag es wild“, ist eine Verdichtung einer visuellen oder imaginierten Kommunikation, die sowohl unsere Sinnlichkeit als auch unsere Interpretationslust, unsere Vorurteile und unseren Reiz am Verborgenen herausfordert. Die Imagination entsteht durch das banale Alltägliche.

«Das Rhizom ist ein nicht zentriertes, nicht hierarchisches und nicht signifikantes System ohne General, organisierendes Gedächtnis und Zentralautomat, es ist einzig und allein durch die Zirkulation der Zustände definiert.»1)

«Im Unterschied zu den Bäumen und ihren Wurzeln verbindet das Rhizom einen beliebigen Punkt mit einem anderen; jede seiner Linien verweist nicht zwangsläufig auf gleichartige Linien, sondern bringt sehr verschiedene Zeichensysteme ins Spiel und sogar nicht signifikante Zustände (états de non-signes).» 2)

Der Begriff „Rhizom“ stammt aus der Botanik und meint eine bestimmte Art „Wurzel“ (eigentlich unterirdische Sprossen), die man als „nicht hierarchisches Wurzelgeflecht“ bezeichnen könnte. Der Begriff wurde von Deleuze/Guattari für die Philosophie adaptiert.
G.B./ im Sept.05

Literaturhinweise:
1) Deleuze/Félix Guattari, Rhizom 1977 (S.35)
2) Gilles Deleuze/Félix Guattari, Rhizom 1977 (S.34)
3) W. Weisbach: Das Barocke als Kunst der Gegenreformation. Berlin 1921. S. 135f.
Farbige Fragen
Installationsansicht
Raum- und Audio- Installation
Textstreifen, Pakrbank bemalt, Audio
APROPOS, Luzern


TAGs: Apropos, Audio, Bank, Fragen, Herkunft und Zukunft, interkulturell, Interview, Schriftband, warten

2304 / 2448
Rauminstallation, begehbar
LDPE-Folie, Lichtquelle, zwei "Beutelskulpturen"
7.10 m x 3.80 m 2.90 m
shed im eisenwerk, (CH), "not strictly private"
5670 / 2304
Rauminstallation, begehbar
LDPE-Folie, Lichtquelle
zwei" Beutelskulpturen"
Der Titel der Installation beinhaltet die Anzahl benutzter Folienbeutel (Abfallbeutel) für die Einzelnen Skulpturen
TESTA PESANTE
Rekonstruktionsplan
TESTA PESANTE
16-teilig,, getragene Kleider, Quarzsand und Reis
ca. 33 x 34 x 45 cm
Koffer 50 x 40 x 16 cm
1995

Transformationsprozesse
Graziella Bergers künstleriche Arbeiten könnten im weitesten Sinne als Transformationsprozesse beschrieben werden, in denen Möglichkeiten und Grenzen von Materialien erprobt werden und durch einen plastischen Vorgang in diejeweilige künstlerische Form gebracht werden. Dabei dienen sogenannte povere Materialien wie gebrauchte Kleider, alte Tische und Stühle, als auch Gips, Wachs und Plastikfolie als Arbeitsmaterial. Für die Arbeit testa pesante, zerschnitt die Künstlerin ihre gebrauchten Kleider, füllte die, aus der vorangegangener Sklulptur Schichtwechsel I fotografierten Formen mit Sand, schichtete diese zu einem „geordneten Haufen” und installierte sie zusammen mit einem Reisekoffer als ihre Verpackungsform.
Die Schwere der abgelegten, aufeinandergeschichteten Sandbündel ergeben zusammen mit dem Koffer ein sinnfälliges Bild vom Unterwegssein, der Bürde sowohl des mitnehmens als auch Zurücklassens. Da es sich dabei um alte, zurückgelassene Kleidungsstücke der Künstlerin handelt, wird die Installation zu einem Stück persönlicher Geschichte. Doch nicht nur die dargestellte, sondern auch die Geschichte der Entstehung wird thematisiert, indem der Arbeitsprozess in seinen Schritten dokumentiert wurde. Sowohl der Aufbau der Kleider-Sand-Bündel als auch die Relikte, die zerschnittenen Kleider wurden photographiert. Damit wird der Arbeitsprozess zum eigenständigen Kunstwerk erhoben und das Werk wird sozusagen auf dem Weg zum Werk multipliziert. Denn die Kleiderrelikte, zusammen gruppiert oder einzel photographiert, nehmen quasi im Negativ den thematischen Aspekt von Reisen, Zurücklassen, Mitnehmen wieder auf, veranschaulichen aber gleichzeitig die Technik des Schneidens als auch die Herkunft des Materials.
Christine Pfammatter/1998